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Wissenswertes – Anlagestrategien im Überblick

Ausschlusskriterien

Der Einsatz von Ausschlusskriterien ist die älteste Strategie des nachhaltigen Investments. Hier werden bestimmte Sektoren oder Geschäftstätigkeiten vom Investment ausgeschlossen. So legten die Quäker in den USA schon im 19. Jahrhundert den Grundstein für das nachhaltige Investment, weil für sie Investments in Waffen tabu waren.

 

Noch heute ist der Ausschluss von Rüstung oder zumindest von bestimmten Waffen das am weitesten verbreitete Ausschlusskriterium. Es wird auch bei Wertpapieren von Staaten und öffentlichen Emittenten angewendet. So sind für viele nachhaltige Investmentfonds Rentenpapiere von Staaten tabu, die internationale Konventionen zu Streumunition und Anti-Personen-Minen nicht unterzeichnet haben.

 

Ebenfalls weit verbreitet ist der Ausschluss von Investments in Tabak, Alkohol oder in Atomenergie. Die Nachhaltigkeitsfonds unterscheiden sich aber darin, wie streng sie Ausschlusskriterien anwenden. So akzeptieren es manche Fonds, dass Aktienunternehmen einen geringen Anteil ihres Umsatzes von bis zu zehn Prozent in eigentlich ausgeschlossenen Bereichen erwirtschaften. Etwa weil ein ansonsten nachhaltiges Unternehmen als Zulieferer Produkte anbietet, die auch militärischen Zwecken dienen können.

 

Oder weil ein Fonds nicht garantieren kann, dass ein Unternehmen nicht über Beteiligungen indirekt Erlöse aus ausgeschlossenen Geschäften erwirtschaftet. Es gibt aber auch Investmentfonds, bei denen Ausschlusskriterien erst ab einem Umsatzanteil von 50 Prozent greifen.

 

Normbasierte Kriterien

Weitaus weniger strikt ist der Einsatz von normbasierten Kriterien. Bei dieser Anlagestrategie kommen Wertpapiere von Emittenten in Frage, die bestimmte Standards sozialer oder ökologischer Nachhaltigkeit erfüllen. Zum Beispiel Unternehmen, die die Normen der ILO (International Labour Organization) einhalten, also etwa ausbeuterische Kinderarbeit vermeiden, die wöchentliche Anzahl von Arbeitsstunden einhalten und kein Lohndumping betreiben.

 

Oder die umfassenden Berichte über ihre Klimarisiken und Klimastrategien an das Carbon Disclosure Project senden, eine Investoreninitiative, die von Konzernen Klimadaten sammelt und sie öffentlich zugänglich macht. Hierzu zählen zudem etwa Staaten, die die Menschenrechtskonvention der UN unterzeichnet oder die das Klimaschutzprotokoll von Kyoto haben. Somit verlangt diese Anlagestrategie nachhaltiger Investmentfonds lediglich, dass Mindeststandards erfüllt werden.

 

 

Nachhaltige Themenfonds

Nachhaltige Themenfonds achten meist nicht darauf, ob die einzelnen Unternehmen nachhaltig sind, sondern ob sie in einer als nachhaltig eingeschätzten Branche tätig sind. Hier wird die Nachhaltigkeit der Unternehmen also meist nicht eigens überprüft. Solche Themenfonds richten sich zum Beispiel ganz auf Wasseraktien aus, also auf Unternehmen, die mit Wasser versorgen, Abwasser entsorgen, hierfür Technologien wie etwa Filtersysteme entwickeln und manches mehr.

 

Einige Themenfonds konzentrieren sich auf den Bereich der nachhaltigen Holzwirtschaft, andere setzen als Klimafonds auf Unternehmen, die Klimaschutztechnologie entwickeln, sie einsetzen, finanzieren oder auf andere Weise in diesem Bereich tätig sind. Mancher Klimaschutzfonds investiert auch in Aktien von Stromkonzernen, die regenerative Energie produzieren, aber ebenso Atommeiler betreiben. Die größte Gruppe unter den nachhaltigen Themenfonds sind die Erneuerbare-Energie-Aktienfonds.

 

Best-in-Class

Mit der Best-in-Class-Anlagestrategie wählt ein Investmentfonds die Unternehmen für sein Portfolio aus, die im Branchenvergleich in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht die höchsten Standards setzen bzw. besser abschneiden als ihre Mitbewerber innerhalb eines Sektors.

 

Achtung: Dabei kann es sich auch um Branchen handeln, deren Produkte oder Produktionsweisen nicht als nachhaltig gelten. Aus diesem Grund treten in den Portfolios vieler Nachhaltigkeitsfonds Namen von Unternehmen aus Branchen auf, die man dort eigentlich nicht erwartet, wie solche aus der Chemie-, der Mineralöl- und der Automobilindustrie.

 

Integration von ESG-Aspekten

Bei einer Reihe von Investmentfonds fließen Nachhaltigkeitsaspekte bei der Titelauswahl mit ein, ohne den Ausschlag zu geben. Hier spricht man von einer Integration von ESG-Aspekten (ESG = Ökologie, Soziales, Governance). Wobei Governance – häufig auch als „gute Unternehmensführung“ bezeichnet – Managementsysteme umfasst, die ein faires Geschäftsgebahren garantieren sollen. Dazu gehören beispielsweise Mechanismen zur Vermeidung von Korruption, von unfairen Zulieferverträgen oder von ungesetzlichen Preisabsprachen.

 

Bei dieser Anlagestrategie bleibt allerdings offen, in welchem Umfang das Fondsmanagement auf ESG-Aspekte achtet. Sie können eine wichtige Rolle spielen, aber auch eine sehr untergeordnete. Meist handelt es sich bei Investmentfonds mit dieser Anlagestrategie um recht „hellgrüne“ Produkte.

 

Engagement und Stimmrechtsausübung

Beim so genannten aktiven Engagement setzt ein Investmentfonds darauf, über seine Rechte als Anteilseigner auf Unternehmen Einfluss zu nehmen. Hierbei handelt es sich zum einen um Auskunftsrechte. Indem das Fondsmanagement Informationen etwa zu Klimarisiken oder zu Sozialstandards einfordert, z.B. im Rahmen der öffentlichen Hauptversammlung, kann es hier für Transparenz sorgen und Verbesserungen anstoßen.

 

Zum anderen kann das Fondsmanagement als Anteilseigner Stimmrechte einsetzen, um auf nachhaltigkeitsrelevante Geschäftsfelder Einfluss zu nehmen. Auch kann es sich mit anderen Aktionären absprechen und durch eine weitreichende Bündelung von Stimmrechten soziale und ökologische Themen auf Hauptversammlungen zur Abstimmung bringen. Das kann das Management eines Konzerns dazu bewegen, mit eigenen Initiativen für Nachhaltigkeit solchen Eingriffen zuvor zu kommen.

 

Das Engagement vollzieht sich aber auch jenseits der Öffentlichkeit. Wer über einen nennenswerten Anteil am Unternehmen verfügt, stößt bei Vorständen ohnehin leichter auf offene Ohren mit Vorschlägen für mehr Nachhaltigkeit. Im günstigen Fall kann so ein steter Kommunikationsfluss darüber entstehen, wie das Unternehmen immer nachhaltiger werden kann.

 

Impact Investment

Impact Investments streben vorrangig gesellschaftliche Auswirkungen der Investitionen an. Die finanzielle Rendite hat bei dieser Anlagestrategie eine eher nachrangige Bedeutung. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Mikrofinanzfonds. Das sind Fonds, die Mikrofinanzinstitutionen in armen Weltregionen Kapital zur Verfügung stellen, damit diese Mikrokredite an Kleinunternehmer vergeben. Damit zum Beispiel eine Schneiderin in Indonesien eine Nähmaschine erwerben und sich so als Selbständige aus der Armut emporarbeiten kann.

 

Die Verzinsung der Darlehen ermöglicht es, dass die Mikrofinanzinstitutionen den Mikrofinanzfonds Zinsen zahlen können. Deren jährlich Rendite beträgt aber selten mehr als fünf Prozent.

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