faire Veranlagung 04/2018

Ende September hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten merklich eingetrübt. Die Auslöser waren vielfältig, wie beispielsweise die Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen USA und China, die ungelöste Budgetdiskussion zwischen Italien und der EU, steigende Anleiherenditen in den USA und die neuerlich aufgrund von Abgasmanipulationen in die Kritik geratenen deutschen Autobauer.

 

Der Beginn des Herbstes markierte eine Veränderung der Marktdynamik. Die Volatilität ist auf breiter Front gestiegen, die 10-jährige Rendite in den USA ist nahe dem höchsten Stand der letzten sieben Jahre und die Aktienmärkte stehen unter Druck. Nach einer Periode stark abweichender Forecasts beginnen die Märkte, die globale Wachstumsverlangsamung einzupreisen. Damit hat auch der Markt die Tatsache, dass der Höhepunkt der Gewinnbeschleunigung allmählich hinter uns liegt, erkannt.

 

Die Zinserhöhungen in den USA lösten die Frühphase einer risikofreudigen Positionierung in Schwellenländern aus, welche kürzlich von idiosynkratischen Geschichten (Türkei, Argentinien) mit schwachen Fundamentaldaten negativ beeinflusst wurden. Die „Flucht in Qualität“- Stimmung wurde durch die italienische Haushaltslage weiter verschärft, und hat auch Auswirkungen auf die USA im Tech-Bereich, der hinsichtlich der Bewertungen sehr angespannt ist.

Die Konsequenzen der Handelsstreitigkeiten sind auch Merkmal dieser Orientierung hin zu Qualität. Bisher wurde eine Verschlechterung (Abschwächung des globalen Handelswachstums) in Volkswirtschaften mit begrenzter fiskaler Unterstützung sichtbar. Dies trifft vor allem in der Eurozone und in China zu. Die potenziellen Auswirkungen auf die USA waren bisher hinter dem fiskalpolitischen Schub verborgen. Möglicherweise sind die unbeabsichtigten Auswirkungen von Protektionismus bei den Zahlen für das dritte Quartal zu sehen. Mögliche Abwärtskorrekturen der Gewinne aufgrund von Tarifen zusammen mit einem gewissen Lohndruck könnten in einer späten Zyklusphase zu einem gefährlichen Cocktail werden. Wenn der Protektionismus zu einem strukturellen Ereignis wird und über den Wahleinsatz hinausgeht, könnte dies zu einem Risiko werden.

 

Aus Sicht vieler Analysten hat die derzeitige Situation mehr mit einer Korrektur als mit einer vollständigen Trendwende zu tun. Allgemeine Meinung ist jedoch, dass die Preisanpassung für verschiedene Vermögenswerte anhalten wird. Die Marktteilnehmer haben das Gesamtrisiko seit einiger Zeit zurückgefahren, und sich auf die defensiveren Bereiche von Qualität und Wert auf der Aktienseite konzentriert.

 

Es wird erwartet, dass sich die Verlangsamung des globalen Wachstums im nächsten Jahr fortsetzen wird, wobei sich die Trends sowohl bei Emerging Markets als auch bei Developed Markets weiter unterscheiden. Europa zeigt sich jedoch weiterhin als robust und die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass das Wachstum im Euroraum nächstes Jahr über dem Potenzialwachstum liegen wird. Politische Risiken sind jedoch wieder in den Fokus gerückt. In Italien scheint eine Konfrontation zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission nach den jüngsten Haushaltsvorschlägen der Koalition unvermeidlich zu sein. In der möglichen Verlängerung der Übergangszeit über 2020 hinaus können wir eine Zunahme der Spannungen bis Ende dieses Jahres (in Italien oder im Vereinigten Königreich) nicht ausschließen.

 

In Deutschland zeichnet sich bei den Landtagswahlen ein stärker fragmentiertes politisches Szenario ab. Keines dieser Risiken allein wird den Zug der fortschreitenden Erholung wahrscheinlich zum Entgleisen bringen, aber alle könnten den Ausblick negativ beeinflussen.

 

In den USA wird eine weitere Zinsanhebung im Dezember und zwei zusätzliche Anhebungen in 1HJ 2019 erwartet. Die EZB beabsichtigt, ihr QE (Quantitative Easing)-Programm Ende dieses Jahres abzuschließen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Zinssätze im Euroraum vor September 2019 geändert werden.

 

Die Performance unserer Veranlagungsgemeinschaft mit einem Gesamtvermögen von EUR 530 Mio. ist per 31.10.2018 mit -0,87 % ytd negativ.  Mit Ende des 3. Quartals betrug die ytd-Performance noch 0,02 % und lag gegenüber dem Branchenschnitt von -0,11 % voran.

 

Zum Stichtag 31.10. beträgt die effektive Aktienquote 7,2 %. Wir waren somit untergewichtet gegenüber der strategischen Asset Allokation positioniert.

 

Aufgrund des aktiven Risikomanagementansatzes der fair-finance Vorsorgekasse wurde im Zuge der negativen Marktbewegungen Mitte Oktober der Risikovermeidungsprozess in Gang gesetzt. Im aktuellen Portfolio sind alle Risken soweit technisch und regulatorisch möglich, abgesichert.

 

 

 

 

 

 

HtM-Anleihen (Held to Maturity) inkl. Schuldscheindarlehen liegen gemeinsam mit 21,4 % über der Zielgewichtung von 20 %. Die Quote wird sich jedoch, aufgrund der Mittelzuflüsse und des Mangels an geeigneten Anleihen an die Zielgewichtung anpassen. Die HtM-Rendite entspricht weiterhin der Erwartung und liegt planmäßig knapp über 3 % p.a.

 

Größte Aufmerksamkeit verlangen weiterhin MtM-Anleihen (Market to Market oder zum Tageswert), welche die größte Asset Klasse darstellen. Wie bereits ausgeführt, blieben Zinsanhebungen im Euroraum bislang aus und auch das Ankaufprogramm der EZB läuft vorerst weiter. Trotz diese Umfelds kam es zu einigen Korrekturen, sodass diese Asset Klasse in den ersten vier Monaten einen negativen Perfomancebeitrag erwirtschaftete.

 

Die Asset Klasse Microfinance entwickelt sich in Anbetracht des niedrigen Zinsniveaus moderat. Auf Jahressicht müssen wir wohl mit knapp 1 % p.a. in dieser außerordentlich nachhaltigen Asset Klasse zufrieden sein. Mit einer negativen Performance ytd entwickelt sich auch die Asset Klasse Wandel- und Hybridanleihen nicht allzu erfreulich.

 

Sehr erfreulich verläuft hingegen das fair-finance Immobilien Portfolio, welches, wie schon berichtet, aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Form von Immobilienfondsanteilen in zwei Immobilieninvestmentfonds gehalten wird. Ankauf und Sanierung der einzelnen Objekte erfolgen nach den Nachhaltigkeitskriterien für Immobilien, welche von fair-finance entwickelt wurden. Nach der Zertifizierung des ersten Immobilienfonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen erfolgte nun auch die Verleihung des Österreichischen Umweltzeichens für den zweiten Investmentfonds. Die Performance in der Asset Klasse Immobilien beträgt rd. 2,5 % ytd. Der Bereich Alternative Investments mit dem aktuellen Investment AviaRent Carevision III Fonds für Pflegeimmobilien ist ein wertvoller Bestandteil der Asset Allokation und hilft uns als „nicht marktabhängiges Investment“ das Risiko aus dem Portfolio zu nehmen und auch in schwierigen Zeiten eine gute Gesamtperformance darzustellen. In diesem Bereich ist auch der Privat Debt Fonds investiert und sind Mittel für ein Investment in Alternative Energie und alternative Land und Forstwirtschaft teilweise abgerufen oder verbindlich zugesagt.

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