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faire Veranlagung 03/2020

Nach dem weltweiten Einbruch der Aktienmärkte um rund 1/3 Drittel im März 2020 aufgrund der COVID-19 Pandemie, konnten viele Notenbanken und Regierungen durch ihre umfangreichen und schnellen Maßnahmen in teilweise beispiellosem Umfang einen Wirtschaftskollaps verhindern. In dieser Krise waren nicht die Marktteilnehmer die Ursache für die drastischen Kursverluste, sondern vielmehr die Regierungen, die mit Lockdowns eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhinderten. Nach der Ankündigung der amerikanischen FED, unlimitiert US-Staatsanleihen zu kaufen, begann der Markt sich zu stabilisieren und zu drehen. Die anschließende kräftige Erholung kam so schnell wie der Einbruch gekommen ist und war für viele unerwartet stark.

Zum Halbjahresende sind viele Aktienmärkte seit Jahresbeginn nur mehr im niedrigen negativen einstelligen Prozentbereich. Der NASDAQ-100 mit seinen technologielastigen Unternehmen und vielen Profiteuren der COVID-19 Krise verzeichnete zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts bereits neue Allzeithochs.

Auch die Anleihemärkte wurden durch die Pandemie kräftig auf den Kopf gestellt. Die Situation in Q1 2020 war von einer risikoreduzierenden Phase gekennzeichnet, in der Staatsanleihen mit guter Bonität, trotz der bereits hohen Bewertung, enorm profitierten. Die Rendite von 10-jährigen amerikanischen Treasuries zum Halbjahresende 2020 lag bei ca. 0,66 %. (HJ 2019: ca. 2 %). Auch 10-jährige deutsche Anleihen liefen nahe an ihr Rekordniveau mit einer Rendite iHv. ca. -0,72 %. Zum Halbjahr 2020 lag die Rendite bei ca. -0,45 % (HJ 2019: -0,36 %). Der Preis einer Anleihe steigt, wenn die Rendite fällt. Der deutsche Staat kann bei dem derzeitigen Niveau bei der Schuldenaufnahme sogar effektiv Geld verdienen, weil weniger zurückbezahlt werden muss, als insgesamt Schulden aufgenommen werden.

Unternehmensanleihen bzw. High-Yield Anleihen hingegen wurden wegen des höheren Risikos massiv abverkauft und wiesen z.T. ähnliche Verlusthöhen wie Aktien auf. Die Spreads (Risikoaufschläge) sind daher deutlich angestiegen. Vor allem Energietitel, die gleichzeitig auch wegen des Ölpreisverfalls unter die Räder gekommen sind, waren und sind weiterhin mit enormen Risikoaufschlägen konfrontiert. Auch Emerging-Markets Anleihen weisen teilweise hohe Verluste auf. Nichtsdestotrotz haben sich die Spreads bereits wieder deutlich eingeengt, bedingt auch durch den Search-for-Yield von vorrangig institutionellen Investoren, welche zurzeit wieder einen größeren Appetit hin zu mehr Risiko an den Tag legen.

Diesen Preisrückgängen konnten auch wir uns nicht entziehen. Nichtsdestotrotz haben wir dank unserer getroffenen Absicherungen während der starken Preisrückgänge im März besser performt als der Markt. Auch die starke Erholung haben wir zum größten Teil wieder mitnehmen können.

Die Performance unserer Veranlagungsgemeinschaft mit einem Gesamtvermögen von EUR 706 Mio. liegt per 30. Juni 2020 bei -2,75 %.

 

Asset Allokation 30.06.2020                                                                    Strategische Asset Allokation 2020

 

Im Bereich der Aktien beträgt die Investitionsquote per 31.03.2020 nur rund 10,1 % und entspricht unserer strategischen Quote.

Auch die größte Asset Klasse, MtM-Anleihen Anleihen (Mark-to-Market oder zum Tageswert), blieb von den Marktentwicklungen nicht verschont. Jedoch konnten auch hier bereits früh Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, die gemeinsam mit einer breiten Diversifikation durch Investments in Spezialthemen und Veranlagungen, welche einen kontinuierlichen Ertrag bringen, dazu beigetragen haben, den negativen Entwicklungen der Finanzmärkte nicht in vollem Umfang ausgesetzt zu sein.

In der Asset-Klasse HtM-Anleihen (Held-to-Maturity) konnten wir im schwachen Marktumfeld Opportunitäten nutzen und haben vier Zukäufe getätigt. Die Gewichtung liegt daher mit 18,3 % über der Zielgewichtung von 17 %.

Die klassischen Asset Klassen, Aktien und Anleihen, entsprechen derzeit unserer vorgesehenen strategischen Quote.

Sehr erfreulich verläuft der fair-finance Immobilienfonds. Ankauf bzw. Sanierung der einzelnen Objekte erfolgen nach den Nachhaltigkeitskriterien für Immobilien, welche von fair-finance entwickelt wurden. Der Fonds trägt als erster Immobilienfonds das Österreichische Umweltzeichen. Die Jahresperformance bis zum 30.06.2020 beträgt in diesem Segment  1,21 %.

Der Bereich „Alternative“ mit einem Investment in den „AviaRent Carevision III Fonds“ für Pflegeimmobilien ist ein wertvoller Bestandteil der Asset Allokation und hilft als „nicht marktabhängiges Investment“, das Risiko aus dem Portfolio zu verringern und auch in schwierigen Zeiten eine gute Gesamtperformance darzustellen. In diesem Bereich sind auch ein Private Debt Fonds sowie ein Fonds für nachhaltige Infrastrukturprojekte aufgesetzt.  Mittel für Investitionen in alternative Energie und alternative Land- und Forstwirtschaft wurden teilweise abgerufen oder verbindlich zugesagt.

Ausblick:

Aktuell sind wir aufgrund der erneut (z.T. stark) zunehmenden COVID-19 Infektionen in den USA sowie einigen Schwellenländern in der Aktienquote leicht untergewichtet. In den Kursen sehen wir alle fiskal- und geldpolitischen Entscheidungen sowie Stimuli von Regierungen und Notenbanken eingepreist. Wir sind auch skeptisch hinsichtlich einer V-förmigen wirtschaftlichen Erholung, die in den jetzigen Kursen reflektiert ist. Unseres Erachtens werden wir weltweit sehr unterschiedliche Formen der Erholung sehen, aufgrund sehr unterschiedlicher Verläufe der Pandemie inklusive möglicher zweiter Wellen. Auch die Arbeitslosigkeit ist weltweit sprunghaft angestiegen. Diese weist tendenziell eine niedrige Elastizität zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf, weshalb wir von relativ langsam sinkenden Arbeitslosenzahlen ausgehen. In den USA sind, trotz der 4,8 Mio. im Juni geschaffenen Jobs, erst 3 von den 10 Jobs, die COVID-19 bedingt verloren gegangen sind, (wieder-)besetzt worden. Auch die Kurzarbeit in vielen europäischen Ländern ist als kurzfristiges Instrument intendiert, weshalb bei einer langsamen Erholung deutlich mehr Arbeitslose zu erwarten sind. Dies mahnt uns zur Vorsicht. Insgesamt wird das zweite Halbjahr äußert wahrscheinlich viele Überraschungen parat halten, positiv wie negativ, und weiterhin volatil bleiben.

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